Musik und Texte rund um den Demokratiebegriff
Jenseits des Regenbogens ist eine interaktive Theaterperformance über Demokratie, Vielfalt und die Frage, wie Menschen heute wieder miteinander ins Gespräch kommen können.
Ausgangspunkt der Stückentwicklung ist die Symbolik des Regenbogens: Jede Farbe steht für einen Aspekt demokratischen Zusammenlebens – etwa Freiheit, Verantwortung, Vielfalt, Hoffnung, Widerspruch oder Zuhören. Daraus entsteht ein vielschichtiger Theaterabend aus Szenen, Musik, historischen Texten, Liedern und interaktiven Beteiligungsformaten.
Jede Farbe bildet dabei ein eigenes Kapitel: Eine Szene oder ein Text eröffnet zunächst ein gesellschaftliches Thema, ein Lied schafft anschließend einen emotionalen Raum und führt die Gedanken weiter. Darauf folgt eine digitale Publikumsbefragung über eine eigens entwickelte datenschutzkonforme Stück-App. Die anonymisierten Ergebnisse werden in Echtzeit auf eine Leinwand übertragen und gemeinsam sichtbar gemacht. Fragen können dabei sehr konkret sein, etwa:
„Wer von euch hat Alltagsrassismus bereits unmittelbar erlebt?“
oder:
„Wann habt ihr zuletzt mit jemandem gesprochen, dessen Meinung ihr eigentlich nicht teilt?“
Die sichtbar werdenden Antworten schaffen unmittelbare Gesprächsanlässe und eröffnen einen moderierten Austausch zwischen Publikum und Ensemble. Demokratie wird dabei nicht erklärt oder bewertet, sondern als gemeinsamer Prozess erfahrbar gemacht: zuhören, widersprechen, aushalten, reagieren und miteinander sprechen.
Texte aus unterschiedlichen Zeiten und Perspektiven treffen bewusst aufeinander: historische Reden, Revolutionslieder, Theatertexte, Popmusik und zeitgenössische Stimmen. So kann beispielsweise Martin Luther Kings berühmte Rede „I Have a Dream“ in ein Revolutionslied oder Nicole’s „Ein bisschen Frieden“ übergehen. Das Projekt verweigert dabei bewusst einfache politische Zuordnungen oder parteipolitische Lagerbildung. Die Farben des Regenbogens stehen nicht für Parteien, sondern für demokratische Grundbegriffe und gesellschaftliche Erfahrungen.
Im Zentrum des Projekts steht außerdem die Frage, wie Kommunikationsräume in einer zunehmend digitalen Gesellschaft verloren gehen – und wie neue Formen der Begegnung entstehen können. Junge digitale Beteiligungsformen treffen dabei auf die Atmosphäre klassischer Begegnungsorte wie Wirtshäuser oder Gaststuben. Orte, an denen gesellschaftlicher Austausch früher selbstverständlich war und die insbesondere im ländlichen Raum zunehmend verschwinden.
Gerade in strukturärmeren Regionen wie unserem Wirkungskreis sind solche offenen und partizipativen Formate bislang selten. Dadurch besitzt das Projekt einen modellhaften Charakter: Theater wird hier nicht nur Aufführung, sondern Plattform für Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Dialog zwischen Generationen, Lebensrealitäten und unterschiedlichen Perspektiven.
Die Premiere ist im Rahmen der Jugendliteraturtage sowie rund um den Tag der Deutschen Einheit geplant. Neben Einzelvorstellungen mit anschließenden Gesprächen kann Jenseits des Regenbogens auch als Demokratietag mit Workshops, Ausstellungselementen und regionalen Kooperationspartner:innen umgesetzt werden. Das Format wird jeweils gemeinsam mit Schulen und Einrichtungen an unterschiedliche Altersgruppen und Bedürfnisse angepasst.
Burgruine Zavelstein
mobiler KulturGarten im Kurpark