nach Kleist
Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“
Eine Komödie über Worte und Wahrheit
Ein zerbrochener Krug.
Ein nächtlicher Vorfall.
Ein Dorfgericht auf der Suche nach Wahrheit – und eine Gemeinschaft, die sich im Reden, Verschweigen und Beschuldigen selbst entlarvt.
Heinrich von Kleists berühmte Komödie ist ein Meisterwerk über Kommunikation – und darüber, wie sehr Macht sich in Sprache verbirgt. Wer spricht mit welcher Autorität? Wer windet sich? Wer wird unterbrochen? Und wer darf überhaupt gehört werden?
Im „Zerbrochenen Krug“ entscheidet sich alles im Wording:
im Amtsdeutsch eines Richters,
in den Ausflüchten eines Schuldigen,
im Zögern einer jungen Frau,
im Raunen der Gemeinschaft.
Zwischen Andeutungen, Halbwahrheiten und taktischen Verdrehungen entfaltet sich ein sprachliches Duell, das ebenso komisch wie entlarvend ist. Kleists präzise, rhythmische und scharfzüngige Sprache trifft in dieser Neuinszenierung auf eine moderne, temporeiche Spielweise. So entsteht ein Theaterabend, der die Sprachwelten verschiedener Generationen und gesellschaftlicher Rollen aufeinanderprallen lässt.
Mit dieser Inszenierung wendet sich das Regionentheater bewusst an unterschiedliche Generationen – und bringt sie miteinander ins Gespräch. An junge Menschen, die sich im Unterricht durch ein vermeintlich sperriges Werk arbeiten (nur weil es Abiturthema ist und hier erleben können, wie lebendig, witzig und gegenwärtig Kleists Sprache klingt. Und an ein Publikum, das sich nach gehaltvoller Auseinandersetzung sehnt – nach Texten, die mehr verlangen als einen flüchtigen Blick, nach Theater, das über den Moment hinaus nachhallt.
Zwischen digitaler Kurzform und klassischer Verskunst entsteht so ein Spannungsraum: Wie verändert sich Aufmerksamkeit? Wie sprechen wir heute – und wie damals? Was geht verloren, wenn Sprache verkürzt wird? Und was gewinnen wir, wenn wir uns Zeit nehmen?
„Der zerbrochene Krug“ wird damit mehr als eine Komödie über einen Gerichtsfall.
Er wird zu einem Abend über Macht und Moral, über Zuhören und Überhören – und über die Frage, wie sehr unsere Wirklichkeit davon abhängt, wie wir miteinander reden.
Ein Klassiker voller Witz.
Ein Wortgefecht mit Sprengkraft.
Und ein erstaunlich gegenwärtiger Theaterabend.